Jodrechnung

Jodrechnung

Jodrechnung

Mindest - Tagesjodmenge allein infolge der Tierfutterjodierung in Deutschland und ohne Anrechnung der Jodmengen im Jodsalz sowie der als jodiert deklarierten Lebensmittel.

Die Maßnahme der Viehfutterjodierung ab 1985/86 – für alle landwirtschaftlichen Nutztiere, oft auch im Biobereich – „verbesserte das I-Angebot des Menschen hochsignifikant, wie der I-Gehalt verschiedener tierischer Lebensmittel belegt.“ (s. Köhrle, a.a.O., S. 223)

Die hier folgende Tagesjodmenge, die ein Erwachsener mit seiner – durchschnittlichen - Ernährung aus deutschen Lebensmitteln mindestens zu sich nehmen könnte, ist ein Beispiel für eine mögliche durchschnittliche Nahrungsaufnahme, und sie basiert
a) auf den aktualisierten Laboranalysen von Milch der unabhängigen Bundesforschungsanstalt f. Landwirtschaft in Braunschweig (=FAL) aus dem Jahre 2008, und
b) auf den von J. Köhrle et al. herausgegebenem Sammelband der 12. Jahrestagung d. Gesellschaft für Mineralstoffe und Spurenelemente, Würzburg 1996.

Wichtig: Die Deklarationspflicht für Jodzusätze bezieht sich nur auf Jod als Zusatzstoff in Salz und verpackten Lebensmitteln, nicht aber darauf, welche Menge an Jod zugesetzt wurde, und auch nicht auf das über das künstlich jodierte Viehfutter in die tierischen Produkte gelangte Jod. Eine Mengenangabe der Jodzusätze erfolgt m.W. bisher nicht. Die hier genannten Jodmengenangaben finden sich bisher praktisch überwiegend in wissenschaftlicher Literatur und basieren auf Laboruntersuchungen von unabhängigen wissenschaftlichen Instituten. In populären Veröffentlichungen (Ausnahme: die Veröffentlichungen von Dagmar Braunschweig-Pauli) über Jodmengen sind sie eher selten zu finden. Wegen der fehlenden Jodmengenangaben sind die Jodmengen, die in künstlich jodierten und deklarierten Lebensmitteln enthalten sind, z.B. in Suppen und Saucen, in Halb- und Fertigprodukten völlig unbekannt und erhöhen die Jodmengen der hier nur aus wissenschaftlichen Laboruntersuchungen ermittelten Jodsummen um den nicht unerheblichen Betrag X, von mir genannt „Jod-X“ bzw. „Jod-XL“.


Maßstab

Die Ausgangsanalyse für Jodmengen in der Milch von der FAL aus dem Jahr 2008 geht von 10mg Jod/kg Futter aus:

10mgJod/kg Futter = 3044 Mikrogramm Jod pro Liter Milch bzw. Milchprodukt

Daraus lassen sich alle weiteren höheren und niedrigeren Jodmengen, die ab 1985/86 in Deutschland im Tierfutter erlaubt waren, errechnen:

1985/86 – ca. 1994 waren 10 mg Jod/kg Futter erlaubt = 3.044 Mikrogramm Jod pro 1 Liter Milch-bzw. Milchprodukt

1994 – 2002 waren 40 mg Jod/ kg Futter erlaubt = 3.044 x 4 = 12.176 Mikrogramm Jod pro 1 Liter Milch bzw. Milchprodukt.
In dieser Zeit wurden von großen Futtermittelherstellern auch 100 mg Jod pro kg Futter deklariert = 3044 x10 = 30.440 Mikrogramm Jod pro 1 Liter Milch bzw. Milchprodukt.

2002-2005 waren wieder 10 mg Jod/kg Futter erlaubt = 3.044 Mikrogramm Jod pro 1 Liter Milch bzw. Milchprodukt

Seit 2006 sind 5 mg Jod/kg Futter erlaubt= 1.522 Mikrogramm Jod pro 1 Liter Milch bzw. Milchprodukt.

Zusätzlich zu den erlaubten Jodmengen im Tierfutter können noch Jodmengen über rote, jodierte Lecksteine und vor allem durch jodhaltige Euterdesinfizientien in die Milch gelangen. = Jod-X

Wichtig: Bis 2006 war noch – und

ist noch??? - ein biozertifiziertes Rinderfutter mit 125 mg Jod/kg Futter deklariert und in Gebrauch.

Durch wissenschaftliche Laboranalysen ermittelte Jodmengen in verschiedenen Lebensmittelgruppen

Der Jodgehalt nach J. Köhrle et al. beträgt auf der Basis von 10 mg Jod/kg Futter für 100g Lebensmittelfrischesubstanz in:

Hühnerei – 64 Mikrogramm Jod
Mischbrot – 26 Mikrogramm Jod
Brötchen – 40 Mikrogramm Jod
Lyoner – 62 Mikrogramm Jod
Salami – 60 Mikrogramm Jod
Bockwurst – hat wegen der Verarbeitung von tierischen Schilddrüsen „sehr viel“ Jod = + Jod-X.
Eierlikör – 72 Mikrogramm Jod
Vollmilchschokolade – 14 Mikrogramm Jod Heringsfilet – 40 Mikrogramm Jod
Schmelzkäse – 26 Mikrogramm

Aufgrund der ab 2006 gültigen, auf 5 mg Jod/kg Futter abgesenkten erlaubten Jodmenge müssen die oben nach Köhrle et al. zitierten Jodmengen noch halbiert werden:
Hühnerei – 64 Mikrogramm Jod : 2 = 32 Mikrogramm
Mischbrot – 26 Mikrogramm Jod : 2 = 13 Mikrogramm
1 Brötchen – 40 Mikrogramm Jod : 2 = 20 Mikrogramm
Lyoner – 62 Mikrogramm Jod: 2 = 31 Mikrogramm
Salami – 60 Mikrogramm Jod : 2 = 30 Mikrogramm
Bockwurst – hat wegen der Verarbeitung von tierischen Schilddrüsen „sehr viel“ Jod =
keine Laboranalyse - Jod-XL
Eierlikör – 72 Mikrogramm Jod : 2 = 36 Mikrogramm
Vollmilchschokolade – 14 Mikrogramm Jod : 2 = 7 Mikrogramm
Heringsfilet – 40 Mikrogramm Jod : 2 = 20 Mikrogramm
Schmelzkäse – 26 Mikrogramm Jod : 2 = 13 Mikrogramm


Wichtig: Da ja die den Lebensmitteln künstlich zugesetzten Jodmengen nur teilweise bekannt sind, stellen die hier auf Grund der bekannten Jodmengen errechneten Jodwerte nur die untere Grenze einer durchschnittlichen Tagesjodmenge dar, zu der noch die nicht bekannten Jodmengen = Jod-X gehören.

Untere Jodmengenangaben - wegen fehlender Jodmengenangaben in verschiedenen Lebensmittelgruppen - für tägliche Mahlzeiten

Frühstück ab 2006 durch 5mg Jod/kg Futter:
1 Ei – 32 Mikrogramm Jod
Ca. 25 g Butter _ 34,50 Mikrogramm Jod
100 g Lyoner - 31 Mikrogramm Jod
100 g Schmelzkäseäse - 13 Jodsalz+Jodmilch= Jod-X
1 Glas Milch (=100ml) - 152,20 Mikrogramm Jod
1 Joghurt (=100ml) - 152,20 Mikrogramm Jod

Bekannte+unbekannte Jodmenge im Frühstück - 414,90 Mikrogramm Jod+Jod-X

Zwischenmahlzeit : 1 Glas Milch - 152,20 Mikrogramm Jod

Mittagessen: Kartoffeln - 11,60 Mikrogramm Jod
Bockwurst - unbekannt hohe Jodmenge, keine Analysewerte, hat wegen der Verarbeitung von tierischen Schilddrüsen „sehr
viel“Jod. (s. Köhrle, a.a.O., S. 224)
Gemüse - verschiedene, oft geringe und meist natürliche Jodmengen
Pudding (=100ml) – - 152,20 Mikrogramm Jod über die Milch

Mindestjodmenge durch Zwischenmahlzeit und Mittagessen - 316 Mikrogramm Jod + Jod-XL (s. Bockwurst)

Kaffee und Kuchen
1 Stück Kuchen/Torte: über Butter,

Milch, Sahne - 200 Mikrogramm Jod.
1 Kännchen Kaffee mit 20 ml Kaffeesahne - 30,44 Mikrogramm Jod

Jod durch Kaffee und Kuchen - 230,44 Mikrogramm Jod

Abendessen:
Ca. 25 g Butter - 34,50 Mikrogramm
100 g Salami - 30 Mikrogramm
100 g Schmelzkäse - 13 Mikrogramm Jod + Jodmilch=Jod-X
1 Speisequark (=100ml) - 152,20 Mikrogramm Jod

Jod durch Abendessen - 231,70 Mikrogramm Jod

Tagesmindestjodmenge durch 5 mg Jod/kg Futter ohne Jodmengen in Jodsalz und ohne Jod-X:

Jod durch Frühstück - 414,90 Mikrogramm Jod + Jod-X

Jod durch Zwischenmahlzeit und Mittagessen - 316 Mikrogramm Jod + Jod-XL (s. Bockwurst)

Jod durch Kaffee und Kuchen - 230,44 Mikrogramm Jod

Jod durch Abendessen - 231,70 Mikrogramm Jod

Tagesmindestjodmenge der beispielhaften Mahlzeiten - 1.193,04 Mikrogramm Jod


Plus täglicher Salzverzehr von 10 g in Form von Jodsalz = 200 Mikrogramm Jod (laut Prof. Großklaus, ehem. Dir. des BfR, Antwort an Frank Rösner vom Juni 2009), wobei diese Angaben auf dem Eintrag von 20 mg Jod/kg Salz beruhen. Laut Köhrle et al. werden dem Jodsalz aber 35 mg Jod/kg Salz zugesetzt, also 15 mg Jod mehr als von Großklaus angegeben!

Tagesmindestjodmenge + Jodsalz (s. Angabe Großklaus) - 1.393,04 Mikrogramm Jod+ Jod-X


! - Allein die tägliche Mindesjodaufnahme – ohne Jodsalz und ohne die unbekannten, z.T. hohen Jodmengen – beträgt etwa das 6-Fache der kritischen täglichen Jodhöchstmenge von 200 Mikrogramm Jod, bei der laut WHO (s. unten) die Gefahr für jodinduzierte Überfunktionen besteht.

! – Allein mit einem durchschnittlichen Frühstück OHNE (aller wahrscheinlichkeit nach) jodierte Brotwaren kann mehr als das Doppelte der kritischen Tagesdosis Jod aufgenommen werden.

! - Bereits mit 1 Glas Milch wird die individuelle Tagesjoddosis für Menschen mit einem Körpergewicht von 60 kg um 32,20 Mikrogramm Jod überschritten!

Achtung: Diese Tagesjodrechnung ist ein Anschauungs-Beispiel für die mögliche Mindest-Aufnahme künstlicher Jodmengen über eine durchschnittliche tägliche Nahrungsaufnahme auf Grund weniger unabhängiger Laboruntersuchungen, aber noch ohne die nichtbekannten z.T. hohen Jodmengen in deklarierten Lebensmitteln und noch ohne die um 15 Mikrogramm höheren - als angegeben - Jodmengen im Jodsalz.

Der Jod-X-Faktor spielt in der täglichen Jodaufnahme eine große, bis jetzt aber wegen fehlender offizieller Angaben noch nicht bezifferbare Rolle.

Außerdem können je nach Geschmacksvorlieben und Nahrungsmittelportionen die täglich aufgenommenen Jodmengen sehr schwanken, vor allem nach oben, wenn man viel Fleisch- und Milchprodukte, Eier und deren Folgeprodukte verzehrt wie z.B. Eis, Gebäck, Quarkspeisen etc. und ab und zu einen Eierlikör trinkt.

Auch in Rotwein ist Jod – allerdings natürliches Jod – enthalten.

Wissenswert: Der individuelle Jodbedarf beträgt nach einer Faustregel der WHO 1-2 Mikrogramm Jod pro Kilogramm Körpergewicht. Aber auch das ist nur ein Richtwert für die Standard-Schwankungen innerhalb der individuell möglichen Jodbedarfswerte. Der im Einzelfall konkrete individuelle Jodbedarf kann nur durch individuelle Laboruntersuchungen ermittelt werden und kann individuell sowohl unter als auch über diesem international geltenden Maßstab liegen. Für den individuellen Jodbedarf ist es wichtig, daß diese Jodmenge keinesfalls überschritten wird. Jod ist ein Spuren – kein Massenelement! Die WHO spricht von einer oberen täglichen Jodaufnahme von 200 Mikrogramm Jod, ab der die Gefahr besteht, an jodinduzierten Überfunktionserkrankungen zu erkranken.Unabhängig davon, daß die individuelle Jodmenge zur Vermeidung von jodinduzierten Erkrankungen auch nicht geringfügig über einen längeren Zeitraum überschritten werden darf, spielt auch die Herkunft des Jods eine Rolle, Es gibt natürliches Jod, das ohne Eingriffe durch den Menschen in naturbelassenen Nahrungsmitteln wie Wasser, Obst, Gemüse, Kräutern, tierischen Produkten etc. vorkommt, und künstlich zugesetztes Jod in Jodsalz, Tierfutter etc., für dessen Herkunft es verschiedene belegte Quellen gibt. (s. Dagmar Braunschweig-Pauli: Jod-Krank. Der Jahrhundertirrtum, aktual. Neuauflage 2012)
Copyright by Dagmar Braunschweig-Pauli M.A., 54296 Trier, 6. Juli 2009/13. November 2015