Lithium im Trinkwasser

Lithium im Trinkwasser?


Lithium im Trinkwasser? - Eine weitere Zwangsmedikation in Sicht?

Am 24. August 2017 wurde auf www.aerzteblatt.de/nachrichten/77832/Lithium-im-Trinkwasser-koennte-vor-Dement-schuetzen der Artikel „Lithium im Trinkwasser könnte vor Demenz schützen“, © rme/aerzteblatt.de, veröffentlicht.

Dieser Artikel basiert auf einer im Jama Psychiatry (2017; doi:10.1001/jamapsychiatry.2ß17.2362) erwähnten „bevölkerungsbasierten Fall-Kontroll-Studie“, derzufolge es Zusammenhänge zwischen lithiumhaltigem Trinkwasser und geringerer Häufigkeit von Altersdemenz zu geben scheint.

Der Australier „John McGrath vom Queensland Brain Institute in Brisbane“ brachte auf Grund dieses vermuteten Zusammenhanges – der allerdings noch durch weitere Forschungen bestätigt werden müßte - die Idee auf, Trinkwasser mit Lithium anzureichern. (Zitate nach der Quelle s.o.).

Bei dieser „Idee“ bleibt unberücksichtigt, daß eine Medikation über Grundnahrungsmittel in Deutschland weder vom Grundgesetz, noch vom Medizinrecht, noch von den Richtlinien für Lebensmittel, die keine Medikamente enthalten dürfen, gedeckt ist, sondern gemäß §§ 223ff. StGB Körperverletzung bzw. gemäß §§ 224 StGB Gefährliche Körperverletzung darstellt.

Da der gegenwärtig praktizierten Jodsalzprophylaxe aber eine ähnlich gelagerte „Idee“ zugrunde liegt, die ebenso durch keines der geltenden Gesetze gedeckt ist, und trotzdem praktisch generalstabmäßig umgesetzt worden ist, sollte man sich über die neue „Idee“ für eine Zwangsmedikation des Trinkwassers, diesmal durch Lithium, so abstrus sie ist, Sorgen machen.

Lithium (Li) wird in Form einer Lithiumtherapie therapeutisch als sogenanntes „Antidepressivum“ bei der Behandlung bestimmter psychischer Erkrankungen, z.B. „manisch-depressiven Verlaufsformen“ (s. Ammon, a.a.O., S. 283) eingesetzt.

Mit Lithium kann man also Menschen erfolgreich ruhig stellen – nach dem Motto: „Ruhe ist die erste Bürgerpflicht!“ (Zitat Graf von der Schulenburg-Kehnert)

Eine medizinische Lithiutherapie – für die aber die persönliche Einwilligung des Patienten vorliegen muß, andernfalls sie Körperverletzung gemäß §§223 StGB darstellt - ist mit erheblichen Nebenwirkungen verbunden. „Im Gegensatz zur bisherigen Auffassung sind die durch Lithium entstandenen Schäden bei Absetzen nicht in jedem Fall voll reversibel.“ (s. Ammon, a.a.O., S. 287)

So wird nach Absetzen der Lithiumtherapie über eine “Lithium-Entzugssymptomatik” diskutiert und darüber, dass „die REM-Phasen bei Lithiumsalzen verkürzt zu sein“ scheinen. Auch „Manien können leicht nach plötzlichem Lithium-Absetzen auftreten.“ (s. Ammon, a. a. O., S. 294)
“…und nach Gabe von therapeutischen Lithiumdosen können Muskelzuckungen und Tremor auftreten, die manchmal nur initial, manchmal aber auch dauernd vorhanden sind. Die Häufigkeit beträgt beim Lithium 10-50%“ (s. Ammon, a. a. O., S. 295)


Weitere Nebenwirkungen von Lithium werden wie folgt beschrieben: „Auch können nach Lithiumgabe in 30% der Anwendung Muskelschwäche … auftreten.“ (s. Ammon, a. a. O., S. 296)
“Auf das mögliche Auftreten eines Diabetes insipidus unter einer Lithium-Therapie sollte geachtet werden.“
Durch von Lithium verursachte Ödeme kann „eine latente Herzinsuffizienz manifest werden“.

Mit einer pauschalen Lithiumgabe über Salz hat man schon in Amerika schlechte Erfahrungen gemacht.

So ersetzte man in den vierziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts in den USA Kochsalz durch Lithiumchlorid, und „es traten in der Folge Lithiumintoxikationen auf, ….“ (s. Ammon, a. a. O., S. 300)

Besonders die Schilddrüse scheint durch zusätzliche Lithiumgaben geschädigt zu werden.
“Auswirkungen einer Lithiumbehandlung auf die Schilddrüsenfunktion” sind u.a. „Hypothyreoidismus mit oder ohne Kropf“ … und „hängt also mit der Einnahme von Iod mit der Nahrung zusammen. Bei einer mehr als 12 Monate dauernden Lithiumtherapie wurde in 2-15% der Fälle eine benigne euthyreote Struma beoachtet.“ (s. Ammon, a. a. O., S. 302) “Da Lithiumsalze eine Hypothyreose und/oder Kropf auslösen können, sollte die gleichzeitige Anwendung von Iodid-Präparaten vermieden werden …“ (s. Ammon, a. a. O., S. 310)

In der Schwangerschaft ist Lithium “Kontraindiziert in den ersten 4 Monaten” (s. Rote Liste, a. a. O., Orange, S. 311) weil es die Plazenta überwindet. „Lithium erfordert von allen psychotropen Stoffen die größte Sorgfalt in der Anwendung. Eine erhöhte Zahl von Mißbildungen konnte bei den Psychopharmaka nur bzgl. des Lithium sicher nachgewiesen werden.“(s. Ammon, a. a. O., S. 304)

Die Auflistung der Gegenanzeigen und Kontraindikationen bei einer Lithiumanwendung sind umfangreich und umfassen praktisch alle Erkrankungen des ZNS, Schwangerschaft und Stillzeit, Herzinsuffizienz, Leberschäden, Morbus Addison, hypothyreote Struma und Psoriasis. (s. Ammon, a. a. O., S. 305)

Früher war es auch in deutschen psychiatrischen Einrichtungen selbstverständlich, daß bei einer gleichzeitigen Anwendung von lithiumhaltigen Antidepressiva kein Jodsalz und natürlich auch keine jodierten Lebensmittel verwendet werden durften.

Zwar ist dieses Wissen noch verschiedentlich in Fachkreisen präsent, aber ob es auch noch so strikt in der Praxis, also der Ernährung von psychisch Kranken, die lithiumhaltige Antidepressiva erhalten und deshalb keine zusätzlichen Jodgaben bekommen dürfen, angewendet werden kann, ist bei der gegenwärtigen durchjodierten Ernährungslage in Deutschland infolge der Jodierung von Lebens- UND Futtermitteln eher fraglich.

Marschiert die Zahl der behandlungsbedürftigen – und überwiegend jodinduzierten - Schilddrüsenerkrankungen nach Schätzung von Experten (s. Arzneiverordnungsreport 2004, S. 45) auf die 50% der Bevölkerung zu, so dürfte bei einer Zugabe von Lithium in Trinkwasser auch noch die im Moment noch nicht betroffene andere Hälfte der Bevölkerung ebenfalls unnötig krank (gemacht) werden.



Literatur

Ammon, Hermann P.T. (Hrsg.): Arzneimittelneben- und Wechselwirkungen. 3Stuttgart 1991.

Rote Liste ® 2009, Frankfurt/Main, Teil: Orange, S. 311f.
Schwabe, Ulrich/ Paffrath, Dieter (Hrsg.): Arzneiverordnungsreport 2004, Springer-Verlag 2004, S. 45.

Copyright by Dagmar Braunschweig-Pauli M.A., Trier den 17.09.2017